Besichtigung der Biogasanlage Nordstemmen
Leine Deister Zeitung ·
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Pupsende Bakterien als Energieerzeuger
Gut ein Dutzend wetterfeste Bürger erhalten einen Einblick in die Abläufe in der Nordstemmer Biogasanlage
Nordstemmen — „Sie kennen das vielleicht von kleinen Kindern: Erst wollen sie gar keine Bananen essen, und kaum haben sie probiert, wollen sie nur noch Bananen”: Mit diesem einfachen Vergleich machte Jens Pape seinen Besuchern deutlich, dass seine „kleinen Kinder” auch nicht ohne sind. Für ihr Wohlergehen ist sogar eigens eine Diplom-Biologin zuständig. Denn Papes „Kinder” sorgen dafür, dass Strom aus den Steckdosen kommt und das Wasser im Freibad angenehm temperiert ist.
Die wohlbehüteten und umsorgten „Kinder” wohnen in den Fermentern der Biogasanlage „An der Zuckerfabrik”. Der Fermenter ist das Herzstück einer jeden Biogasanlage. In ihm finden die Abbauprozesse der organischen Substanz statt, bei denen das Biogas entsteht. Und genau dieser Prozess ist die Aufgabe von Papes „Kindern”, die nichts anderes als Bakterien sind. Was genau diese Bakterien tun? „Fressen und pupsen”, sagte Pape.
Pape ist Geschäftsführer der Naturgas GmbH und versuchte als solcher, seinen Gästen zu erklären, wie „man aus Mais und anderen Sachen Strom macht”. Gut ein Dutzend „wetterfester” Besucher begrüßte er zum Rundgang über die etwa acht Millionen Euro schwere Stromgewinnungsanlage. Unter ihnen war auch CDU-Gemeindeverbandschef Bernhard Flegel, der den Einblick im Rahmen der CDU-Betriebsbesichtigungsreihe organisiert hatte.
Und obwohl er an einem Sonnabend stattfand, geht es auf dem Gelände der Biogasanlage alles andere als ruhig zu. „Wir sind mitten in der Maisernte”, erklärte Pape, weshalb PS-starke Pioniergeräte dröhnend einen riesigen Berg gehäckselten Mais verdichten. „Mais hat die höchsten Erträge. Danach kommt die Rübe, die sich aber nicht ganzjährig lagern lässt”, erklärte Pape. Darüber hinaus werden den pupsenden Bakterien auch allerhand andere Köstlichkeiten zugeführt. „Wir haben schon viel ausprobiert. Was nicht geht, sind Sonnenblumen”, so Pape.
Dafür geht aber GPS, was in dem Fall nicht Global Positioning System, sondern Ganzpflanzensilage - ein Substrat vor allem aus Roggen und Triticale - bedeutet. „Dabei wird die Pflanze samt Stängel, Blättern und Körnern geerntet”, erklärte Pape. Auch Gülle - zum Teil entwässert - kommt in der Biogasanlage zum Einsatz. „Wir verfüttern insgesamt 90 Tonnen pro Tag”, berichtete Pape über die 2007 gebaute und nach und nach etwas erweiterte Anlage.
So kam Pape schließlich zu seinem „Kinder-Bananen-Vergleich”: „Bakterien mögen keine Veränderung. Sie brauchen immer einige Tage, um sich an das neue Futter zu gewöhnen”, berichtete er.
Launig, mit der einen oder anderen Anekdote im Gepäck und mitunter durchaus politisch - beispielsweise beim Thema EEG, der Düngeverordnung oder dem Stichwort Vermaisung („Das ist Blödsinn. Der Maisanteil im Landkreis Hildesheim liegt bei sieben Prozent. Das heißt: 93 Prozent der Ackerfläche sind kein Mais”) - führte der Biogas-Produzent die interessierte Besuchergruppe über die Anlage.
Nach dem Höhenausflug auf den Umlauf des Fermenters führte der Weg zum großen Endlager, wo das „Überbleibsel” gelagert wird. Von 90 Tonnen Futter bleiben 69 Tonnen Substrat über. Was damit passiert? „Das ist super Dünger für den Acker”, erklärte Pape.
Ins Warme ging es für die Besucher schließlich beim Gang in die Maschinenhalle. Dort verrichten die drei großen Motoren unermüdlich und lautstark ihren Dienst. Sie sorgen letztlich dafür, dass aus den Bakterienpupsern Strom für die Steckdose, der 14.000 bis 15.000 Haushalte versorgen könnte, entsteht.
Aber noch mehr: „Daneben gilt es, die thermische Energie zu nutzen”, verwies Pape auf ein nicht unwichtiges „Nebenprodukt”. So heizt die Abwärme unter anderem das Freibad, den Bauhof, Schloss Marienburg, die Klärschlammtrocknungsanlage sowie einige im Industriegebiet angesiedelte Firmen.